Hintergrund

Die natürliche Rolle des CD95-Liganden (CD95L) besteht darin, die Immunhomöostase durch Einleitung des apoptotischen T-Zelltods aufrechtzuerhalten. Über eine Fehlregulierung von CD95L wurde bei verschiedenen Krankheiten wie Krebs und Virusinfektionen (Grippe, SARS, MERS und COVID-19) berichtet.

Während des gesamten Krankheitsverlaufs von Virusinfektionen wie Grippe oder COVID-19 verursacht CD95L eine schwere Fehlregulierung des Immunsystems. Dies führt zu zwei großen pathologischen Problemen – verringerte Lymphozytenzahl (Lymphopenie) und entzündlicher Zelltod, was wiederum zu Lungenentzündung bzw. akutem Atemnotsyndrom (ARDS) führt.

Veröffentlichte Daten zeigen, dass der CD95-Spiegel in der Lunge von ARDS-Patienten erhöht ist und den entzündlichen Zelltod von Epithelzellen verursacht. Die Zugabe von CD95L-Inhibitoren verhindert den Tod von Epithelzellen bei ARDS und bietet damit eine neue Behandlungsoption für ARDS.

Neu veröffentlichte Daten weisen darauf hin, dass CD95L auch in COVID-19-Patienten bei der Einleitung einer lebensbedrohlichen Lymphopenie und des entzündlichen Zelltods eine zentrale Rolle spielt. Studien an chinesischen COVID-19-Patienten berichten übereinstimmend, dass der Schweregrad der Lymphopenie mit dem Schweregrad und dem Ausgang der Erkrankung korreliert.

Asunercept ist ein vollständig humanes Fc-Fusionsprotein, das spezifisch an CD95L bindet und so den apoptotischen Zelltod von Immunzellen oder Epithelzellen verhindert. Durch die Blockade von CD95L könnte Asunercept die CD95L-vermittelte Lymphopenie und den bei ARDS-Patienten berichteten übermäßigen entzündlichen Zelltod reduzieren. Durch das direkte Abzielen auf zwei kritische krankheitsauslösende Mechanismen könnte Asunercept somit einen einzigartigen therapeutischen Ansatz für Virusinfektionen wie COVID-19 darstellen.

 

 

Image of Epithelial Cell Death
 

Klinische Phase II-Studien

Apogenix befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit klinischen Zentren in Europa, um Asunercept zur Behandlung von COVID-19 in zwei kontrollierten klinischen Phase II-Studien zu evaluieren. In Österreich wird Apogenix an einer offenen, randomisierten, kontrollierten Studie an COVID-19-Krankenhauspatienten teilnehmen, die als „Investigator Initiated Trial“ (IIT) durchgeführt wird. Für die österreichische Studie werden 100 Patienten rekrutiert. Zudem sollen für eine von Apogenix gesponserte Studie in mehreren Zentren in Europa 400 Patienten rekrutiert werden. Diese Studie ist ebenfalls als offene, randomisierte, kontrollierte Studie an COVID-19-Krankenhauspatienten konzipiert. Apogenix prüft derzeit die Ausweitung dieser Studie auf klinische Zentren in den USA. Der Beginn der Patientenrekrutierung ist für Q2/2020 angesetzt.

Der primäre Endpunkt beider Studien ist die Zeit bis zu einer dauerhaften Verbesserung um eine Kategorie auf der WHO 7-Punkte-Skala ab der Aufnahme ins Krankenhaus. Diese wird täglich bis zum Tag 29 gemessen. Zu den Wirksamkeitsendpunkten gehören Verbesserungen auf der WHO-Skala, Sauerstoffversorgung, Virusfreiheit, Dauer des Krankenhausaufenthalts und Mortalität an den Tagen 15 und 29. Die finale Datenanalyse wird in Q1/2021 erwartet.